Eine kleine Geschichte des Reisens

Ob zu Fuß, auf dem Pferderücken, in der Kutsche, mit dem Schiff, dem Auto oder der Bahn – seit der Antike reisen Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen. Marco Polo ist zwar der  berühmteste Fernreisende, doch bereits lange vor seiner Zeit drangen die Menschen auf ihren Reisen in fremde Länder und unbekannte Gebiete vor.

Reisen in der Antike

Die ersten Reisen gab es in der Antike. Bereits vor rund 6.000 Jahren befuhren die Ägypter mit ihren Handelsschiffen das Mittelmeer. Noch reisefreudiger waren die Phönizier. Das antike Seefahrervolk gründete Siedlungen von Syrien bis zur Iberischen Halbinsel. Die Segelboote der Phönizier waren klein und wendig. Den Phöniziern folgten die Griechen. Sie traten in die Fußstapfen der antiken Seefahrer und gründeten Handlungsniederlassungen vom Schwarzen Meer bis zur Côte d’Azur.

Als die Römer die Bühne der Geschichte betraten, änderte sich die Art des Reisens. Zwar nutzte auch die antike Großmacht den Seeweg, um Handel zu treiben und fremde Länder zu erobern, doch deutlich größere Bedeutung hatte im Römischen Reich das Straßennetz. In der Blütezeit umfasste es 80.000 Kilometer und verband auf dem Landweg die Siedlungen am Schwarzen Meer mit dem heutigen Portugal. Das Reisen zu Land war beschwerlich, denn die meisten Strecken wurden komplett zu Fuß zurückgelegt. Eine Tagesetappe war zwischen 20 und 35 Kilometer lang.

Die Römer waren das erste Volk, das durch das Anlegen einer Infrastruktur das Reisen erleichterte. An den Römerstraßen standen in regelmäßigen Abständen Pensionen und Verpflegungsstationen, die sowohl den Legionen als auch den Handelsreisenden offenstanden. Nach dem Ende des Weströmischen Reiches im 5. Jahrhundert verfiel das Straßennetz in Europa und mit ihm die Infrastruktur.

Die Gründe für Reisen in der Antike unterschieden sich von denen in der Gegenwart grundlegend. Während die Menschen heute fremde Länder und andere Kulturen kennenlernen wollen, ging es bis vor 1.500 Jahren vor allem darum, Handel zu treiben, Siedlungsgebiete zu erschließen und Ländereien zu erobern. 

Reisemotiv der Wikinger: Raubzüge und Eroberungen

Im Frühmittelalter begann ein Volk aus Skandinavien, in Europa Angst und Schrecken zu verbreiten: die Wikinger. Sie werden in historischen Quellen als hünenhafte Männer mit dichten Bärten beschrieben, deren Siedlungsgebiete im heutigen Norwegen, Dänemark und Schweden lagen. Die Wikinger nutzten wendige Langboote für ihre Beutezüge, die sie bis nach Russland, in den Mittelmeerraum und an das Schwarze Meer führten.

Zwar waren die Normannen, wie die gefürchteten Skandinavier auch genannt wurden, rücksichtslose Plünderer, doch waren sie auch brillante Seefahrer und Bootsbauer. Neuesten Erkenntnissen zufolge sollen sie auf ihren Reisen bis nach Neufundland in Kanada vorgedrungen sein. Die Ära der Wikinger dauerte rund 300 Jahre. Zur Mitte des 11. Jahrhunderts war das Zeitalter der Nordmänner vorüber.

Pilgerreisen im Mittelalter

Im Mittelalter war das Reisen eine beschwerliche Angelegenheit. Das römische Straßennetz war zerfallen, Wege gab es nur wenige und in tiefen Wäldern lauerten etliche Gefahren. Räuber und Wegelagerer trieben vielerorts ihr Unwesen. Auch wilde Tiere wie Bären und Wildschweine konnten zu einer tödlichen Gefahr werden. Wer sich in den Wäldern verirrte, fand oft keinen Ausweg mehr. Hauptantrieb, im Mittelalter die Heimat zu verlassen und in die Fremde zu ziehen, waren religiöse Gründe. Pilgerreisen gewannen an Bedeutung. Im Jahr 997 wurde der erste christliche Wallfahrtsort im spanischen Santiago de Compostela errichtet. Die Stadt liegt am Endpunkt des Jakobsweges, der sich im Verlauf der Jahrhunderte zum bedeutendsten Pilgerpfad der Christenheit entwickelt hat.

Video: Doku - Die phantastischen Reisen des Marco Polo

Marco Polo – Diplomat und Handelsreisender

Marco Polo war der Spross eines venezianischen Händlers. Gemeinsam mit seinem Vater und seinem Bruder unternahm er mehrere Reisen nach Asien, auf denen er insgesamt 24.000 Kilometer zurückgelegt haben soll. Meistens nutzten sie Pferde, Maultiere und Kamele als Fortbewegungsmittel. Unterwegs führte Polo Buch über seine Erlebnisse. Den Aufzeichnungen ist es zu verdanken, dass man heute ein recht detailliertes Bild über seine Reisen hat. Belegt ist, dass er unter anderem im Auftrag des mongolischen Herrschers Kublai Khan unterwegs war.

Entdeckungsreisen zu Beginn der Neuzeit

Den Beginn der Neuzeit markiert die Ära der Entdeckungsreisen. Christoph Kolumbus entdeckte im Jahr 1492 den Seeweg nach Amerika, obwohl er sich in indischen Gewässern wähnte. 5 Jahre später machte Vasco da Gama dann tatsächlich den Seeweg nach Indien ausfindig. Im November 1497 umsegelte er mit einem kleinen Konvoi von Handelsschiffen das Kap der Guten Hoffnung im heutigen Südafrika. Der portugiesische Seefahrer Ferdinand Magellan war schließlich im Jahr 1521 der erste Weltumsegler.

Bildungsreisen im 18. Jahrhundert

Ab dem 18. Jahrhundert begann das Zeitalter der Bildungsreisen. Wohlhabende Bürger und Angehörige der adligen Oberschicht entdeckten die Lust daran, fremde Kulturen und Länder kennenzulernen. Zu den bekanntesten Bildungsreisenden gehörte Johann Wolfgang von Goethe, der im Jahr 1786 zu seiner ersten Italien-Reise aufbrach. Eigentlich wollte er die Antike erforschen, doch je länger die Reise dauerte, desto spannender fand er es, sich mit den Lebensgewohnheiten der Menschen und der italienischen Kultur auseinanderzusetzen. Während Goethe für damalige Verhältnisse komfortabel mit der eigenen Kutsche reiste, mussten sich weniger gut begüterte Reisende mit einem einfachen Felltornister begnügen, der gerade einmal Platz für Wechselwäsche und eine Reiseapotheke bot.

Ein weiterer weltberühmter Bildungsreisender war Charles Darwin. Ohne seine Reise auf die entlegenen Galapagos-Inseln im Jahr 1831 gäbe es vermutlich keine Evolutionstheorie.

Dampfschifffahrt und Luftverkehr

Der industrielle Fortschritt brachte im 19. Jahrhundert neue Fortbewegungsarten hervor. Dampfschiffe lösten Segelschiffe ab, und im Jahr 1838 überquerte das englische Dampfschiff „Sirius“ als erstes seiner Art den Atlantik. 18 Tage benötigte das Schiff für die Überfahrt. Luxusreisen von Europa nach Amerika an Bord eines Dampfschiffes wurden dann zur Lieblingsbeschäftigung reicher Industrieller und Adliger.

Die Erfindung des Flugzeugs ging auf die Brüder Wright zurück. Sie entwickelten zu Beginn des 20. Jahrhunderts den ersten Flugapparat. Mit der Aufnahme des Linienflugverkehrs endete die Ära der Dampfschiffe. Das Überschallflugzeug „Concorde“ brauchte schließlich nur noch dreieinhalb Stunden, um die Distanz zwischen London und New York zu überbrücken und keine drei Wochen mehr.

Reisen für jedermann in der Gegenwart

Generell wurde das Reisen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts für jedermann erschwinglich. In den 50er Jahren reisten deutsche Touristen mit ihren VW-Käfern über die Alpen, um an den Stränden der Adria Sonne zu tanken. Ende der 70er Jahre war auf Mallorca und an der Costa Blanca der Massentourismus fest installiert. Je länger die Menschen zu erschwinglichen Preisen reisen konnten, desto exotischer wurden die Reiseziele. Es wurde zur Prestige-Frage, ob der Sommerurlaub an die Mittelmeerküste Antalyas oder an die tropischen Strände der Seychellen führte.

Heute ist die eigene Heimat das beliebteste Reiseziel der Deutschen. Rund 25 Prozent aller Urlauber verbringen die schönsten Wochen des Jahres zwischen Nordseeküste und Bayerischen Alpen. Die Nr. 1 unter den innerdeutschen Urlaubszielen ist Mecklenburg-Vorpommern mit der Mecklenburger Seenplatte und den feinsandigen Ostseestränden.

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