Alang – wo Luxusliner zur letzten Ruhe kommen

Alang ist eine Hafenstadt an der Nordwestküste Indiens, die mit einem Superlativ aufwartet. Hier befindet sich der größte Schiffsfriedhof der Welt. In Alang werden riesige Luxusliner verschrottet.

Kreuzfahrtschiffe: Giganten der Meere

Kreuzfahrtschiffe sind die Giganten der Meere. Sie gleichen einer Kleinstadt und stehen für einen Rundum-Sorglos-Urlaub. Die größten Luxusliner sind so lang wie drei Fußballfelder und haben 16 Decks. Über 6.000 Passagiere verbringen z. B. an Bord der „Symphony of the Seas“ zusammen den Urlaub. Und sogar noch größere Kreuzfahrtschiffe werden demnächst die Flotte diverser Reedereien erweitern. Auf der virtuellen Reisemesse finden Sie die Stände verschiedener Anbieter von Kreuzfahrten. Die Planungen für den Bau eines Luxusliners dauern Jahre und die Ausführung der Arbeiten ebenso. Doch wie jedes Wasserfahrzeug erreichen auch Kreuzfahrtschiffe irgendwann ihr Ende und sie werden ausgemustert. Die letzte Fahrt endet oft an der Nordwestküste Indiens, wo sich in Alang der größte Schiffsfriedhof der Welt befindet.

Video: Shipbreakers

Endstation Alang – der größte Schiffsfriedhof der Welt

Läuft ein Schiff vom Stapel, knallen die Sektkorken. Das Ende eines Luxusliners ist weniger glamourös. Für jedes zweite Schiff weltweit ist Alang an der Küste des indischen Bundesstaates Gujarat der letzte Hafen. Super-Tanker aus Venezuela befinden sich ebenso unter den Todgeweihten wie Fischtrawler aus Russland, Containerschiffe aus China und ausrangierte Autofähren aus Indonesien. Und natürlich Kreuzfahrtschiffe. Der größte Abwrackhafen der Welt besitzt einen zehn Kilometer langen Strand, an dem die Ozeanriesen Stück für Stück auseinandergenommen und in ihre Einzelteile zerlegt werden.

Der Tidenhub als Helfer

Die Frage, warum gerade Alang als weltweit größter Schiffsfriedhof dient, wird mit einem Blick auf den Tidenhub beantwortet. Der ist an diesem Teil der indischen Küste besonders groß. Diesen Effekt nutzen die speziell ausgebildeten Kapitäne aus, um die Kolosse so nah wie möglich an den Strand zu manövrieren. Der Kapitän steuert das Schiff mit hoher Geschwindigkeit auf den Strand zu und setzt es anschließend auf Grund. Dies geschieht an den 3 bis 5 Tagen im Monat, wenn die Flut am höchsten steht. Bei Ebbe beginnen die Arbeiter mit der Zerlegung des Schiffes. Läuft ein Ozeanriese zu früh auf Grund, muss auf einen neuen Höchststand bei der Flut gewartet werden. Hat das Schiff genügend Wasser unter dem Kiel, wird es mit schweren Ketten näher an den Strand gezogen.

Zerlegung der Kreuzfahrtschiffe

Etwa 150 Abwrackwerften haben sich an dem zehn Kilometer langen Strand in Alang angesiedelt. Sämtliche Wertgegenstände wurden bereits vor dem Verkauf eines Luxusliners aus dem Inneren entfernt. Ca. acht Wochen brauchen die Abwrack-Arbeiter, um ein Kreuzschiff zu zerlegen. In Alang pumpen die Arbeiter in einem ersten Schritt sämtliche Flüssigkeiten aus dem Rumpf. Anschließend werden die beweglichen Teile entfernt. Das Inventar und die Maschinen werden verkauft. Viele Gegenstände werden an Straßenständen in der Umgebung von Alang angeboten. 

Noch während das Schiff am Strand liegt, werden Stahlblöcke aus dem Rumpf geschnitten. Die Arbeiter achten streng auf das symmetrische Entfernen. Ansonsten kann der angenagte Schiffskörper in Schieflage geraten und umkippen. In einem Hinterhof werden die herausgelösten Stahlblöcke in etwa gleich große Teile zerschnitten und für den Weitertransport vorbereitet. Die Arbeit auf einer Abwrackwerft ist nicht ungefährlich. Noch heute rücken die Beschäftigten den schwimmenden Riesen mit Schweißbrennern, Sägen und bloßen Händen zu Leibe. Oft sind es ungelernte Hilfskräfte, die für einen kargen Tageslohn unter schwierigen Bedingungen schuften.

Hohes Gesundheitsrisiko für die Arbeiter

Die Arbeiter auf den Abwrackwerften sind einem hohen Gesundheitsrisiko ausgesetzt. In vielen älteren Schiffen wurde noch krebserregendes Asbest als Brandschutz verbaut. Auch Anstriche mit Bleizusatz waren in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts keine Seltenheit. Schutzausrüstung und Sicherheitsvorkehrungen gibt es auf den Abwrackwerften kaum. Immer wieder werden Arbeiter von herabstürzenden Stahlteilen erschlagen oder sterben nach Gas-Explosionen. Häufig entzünden sich Öllachen durch Funkenflug von Schweißgeräten. Verletzt sich ein Arbeiter und fällt für die Tätigkeiten auf der Abwrackwerft aus, erhält er zudem kein Krankengeld.

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