Die Grand Tour – als noch Kavaliere reisten

Grand Tour (Große Reise) ist ein Begriff, der nur noch wenigen geschichtsinteressierten Personen geläufig ist. Vor 300 Jahren war das noch anders. Damals war die Grand Tour eine obligatorische Reise, die zunächst junge Adlige und später die Söhne wohlhabender Bürger unternahmen.

Grand Tour – Geschichte der „Kavaliersreise“

Die Grand Tour wurde erstmal in der Renaissance erwähnt. Angehörige der britischen Krone schickten ihre männlichen Nachkommen auf eine ausgedehnte Bildungsreise auf den Kontinent. Die Reise konnte sich über mehrere Jahre erstrecken. Da sich ausschließlich männliche Sprösslinge auf die Bildungsreise begaben, wurde sie auch Kavalierstour genannt. Die jungen Reisenden wurden dabei von ihren Familien großzügig mit finanziellen Mitteln ausgestattet.

Nachdem dieses Ritual in den adligen Kreisen Englands fest etabliert war, übernahmen auch andere Länder diesen Brauch. Im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert wurde der Kreis der Bildungsreisenden immer größer. Nicht ausschließlich Adlige, auch wohlhabende Bürgerfamilien schickten ihre männlichen Nachkommen auf mehrjährige Bildungsreisen in verschiedene Länder Europas.

Mit der Grand Tour wurde der Grundstein für den heutigen Tourismus gelegt. Erste Reiseführer entstanden, die auf die Sitten, Bräuche und Sehenswürdigkeiten fremder Länder eingingen und Empfehlungen für die Reiseroute enthielten. Auch die Reiseführer der Aussteller auf der virtuellen Reisemesse gehen letztlich darauf zurück. Die Grand Tour trug viel zur Persönlichkeitsbildung der jungen Reisenden bei. Sie erlernten unterwegs fremde Sprachen und knüpften neue Kontakte, die sich später als nützlich erweisen konnten.

Video: Podcast: Die Grand Tour. Interrail des 18. Jahrhunderts

Fortbewegung auf der Grand Tour

Eine Kavalierstour konnte sich über mehrere Jahre hinziehen. Ende des 17. Jahrhunderts waren die gängigsten Fortbewegungsmittel das Pferd und die eigenen Füße. Mehr als 30 bis 35 Kilometer am Tag legten die Bildungsreisenden allerdings nicht zurück.

Ab dem 18. Jahrhundert reisten zahlreiche Sprösslinge wohlhabender Familien mit der Kutsche. Das Reisen wurde deshalb nicht zwingend angenehmer, denn die Straßen und Wege in Europa befanden sich zu dieser Zeit in einem katastrophalen Zustand. Die ständigen Stöße und die permanente Rumpelei wirkten sich nachhaltig negativ auf die Psyche der Reisenden aus, wie aus verschiedenen Reisetagebüchern dieser Zeit zu entnehmen ist.

Wer keine eigene Kutsche inklusive Kutscher besaß, musste auf Alternativen ausweichen. In zahlreichen großen Städte auf dem europäischen Kontinent konnten Kutschen für die Grand Tour gemietet werden. Ein Kutscher war in der Regel im Mietpreis enthalten. Wer sich keine Mietkutsche leisten konnte, musste mit der Postkutsche reisen. Das heißt: Den Innenraum mussten sich die Bildungsreisenden mit fremden Insassen teilen. Diese Form des Reisens bot den geringsten Komfort.

Stationen der Kavalierstour

In der Renaissance begannen sich Adlige und Bürger für die Kultur und Architektur der Antike zu interessieren. Dieses wieder entfachte Interesse gab die Stationen einer Grand Tour vor. Die meisten Bildungsreisen führten nach Italien, der Wiege des alten Römischen Reiches. Rom, Neapel, Florenz und Venedig standen auf dem Reiseplan zahlreicher junger Reisender.

Darüber hinaus besuchten britische Adlige französische Städte wie Paris, Reims, Nizza und Lyon. Die Rückreise führte nicht selten über das Heilige Römische Reich deutscher Nation, wo Zwischenstopps in Universitäts- und Bäderstädten wie Bamberg, Heidelberg, Weimar und Baden-Baden eingelegt wurden. Auch an den Rhein zog es zahlreiche Reisende und als Ort der Erholung und Entspannung durfte das belgische Spa nicht fehlen.

Johann Wolfgang von Goethe auf der Grand Tour

Der wohl berühmteste Grand-Tour-Reisende aus deutschen Landen war Johann Wolfgang von Goethe. Er brach im Jahr 1786 als 37-Jähriger zu seiner Italienreise auf. Eineinhalb Jahre sollte die Tour dauern, die ihn unter anderem an den Gardasee, nach Florenz, Neapel und Sizilien führte. Seine Eindrücke verarbeitete der Dichter in einem Reisebericht, die sog. „Italienische Reise“. Die Veröffentlichung erfolgte jedoch erst 30 Jahre später. Noch heute erinnern an zahlreichen Orten Büsten an den Aufenthalt Goethes – z. B. auf der Scaligerburg in Malcesine.

Der Dichter und Forscher hatte ein Hauptinteresse an der Kultur und Architektur der Antike. Die Geschichte des Mittelalters und religiöse Orte wie die Grabeskirche des heiligen Franz von Assisi interessierten ihn kaum. Seine schriftlichen Aufzeichnungen ergänzte er um Skizzen und Zeichnungen. Bauwerke und Ruinen gab er mit einer nahezu fotografischen Präzision wider. Unterwegs traf Goethe Künstler und ließ sich von der italienischen Malerei und Bildhauerkunst inspirieren.

Grand Tour: Vorgänger der Pauschalreise

Die Grand Tour diente als Vorlage für eine Art des Reisens, die in der Gegenwart einen wahren Boom erlebt: Die Pauschalreise.

Als Pionier in der Reisebranche gilt der Engländer Thomas Cook. Er veranstaltete im Jahr 1841 eine Eisenbahnfahrt von Leicester nach Loughborough, an der mehr als 500 Personen teilnahmen. Zum Preis von einem Schilling pro Person wurden die Menschen in offenen Waggons befördert und erhielten zusätzlich ein Schinkenbrot und eine Tasse Tee. Später baute Cook das Angebot aus und bot Pauschalreisen zu bezahlbaren Preisen zur Weltausstellung in London und per Schiff nach Paris an. Damit legte der Pionier den Grundstein für den Massentourismus der Moderne.

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